CF Sulkania
philosophie << O >>
wie wohl viele pflegte ich jahrelang die pläne der großen anlage mit automatischer hundeknochenstrecke, abstellbahnhöfen und bereichen zum rangieren. das aufkommen digitaler modellbahnsteuerungen beflügelte die träume zu ungeahnten möglichkeiten ...
modellbahn ist immer der spagat zwischen der wirklichkeit und dem spielen. nachempfinden oder reproduzieren. reproduktion erweist sich bald als quadratur des kreises. noch bewältigbar wäre die hürde des maßstabes, elektronik ermöglicht die präzise steuerung der fahrzeuge, der bahnperipherie bis hin zu deren geräuschkulisse, lichteffekte ...
nein, eine modellbahn mit landschaft, figuren und häuschen, das war nie mein plan. die bahn ist es die mich interessiert und fasziniert. die technik, der betrieb, die fahrzeuge.
je mehr ich mich mit den möglichkeiten digitaler modellbahn befaßte desto mehr verpürte ich eine wachsende distanz zum objekt des interesses. es sträubte sich in mir mich mit der programmierung von dekodern vor der fahrt zu befassen. elektronik interessierte mich nie, ebenso wenig edv. schon immer war ich ein freund nachvollziehbarer dinge, am liebsten greifbarer mechanik, etwas was ich 'begreifen' konnte und nicht als solches akzeptieren mußte.
war nicht schon in der kindheit auf dem oval mit freelance modellen die faszination eisenbahn spürbar ? war es nicht oft enttäuschend wenn ich eine neue lok in den händen hielt und feststellen mußte, daß sie wohl maßstäblicher und feiner war als ein altes modell, aber dennoch eine unvollständige, gar fehlerhafte reproduktion des vorbildes war ? es gibt natürliche grenzen im modellbau, wenigstens wenn man die ganze sache in einem relativen rahmen von aufwand betreiben möchte. und ganz ehrlich, ich bin kein modellbauer. getreue reproduktion ist nicht meine sache, ganz unbesehen vom handwerklichen geschick und der motivation dinge bis ins detail verfolgen zu wollen.
es war kein entschluß von gestern auf heute, all die aktualitäten heutiger modellbahnen über bord zu kippen, er wuchs langsam und konform zu meinem bild dieser welt. es geht in ganz vielen bereichen nicht mehr um die sache selbst, es geht um die vermarktung und ich war ein opfer dessen. sonderserien, kalkuliert konstruierte virtuelle knappheiten, neue techniken, noch noch noch. ich wurde dessen müde und konstatierte, eigentlich will ich nur ein paar züge fahren lassen.
wenn man in alten katalogen blättert liest man nicht "modell einer lokomotive der baureihe xyz der dingensbahn von dannundwann" sondern da steht z.b. "lokomotive mit beleuchtung, dem vorbild der sowiesobahn nachempfunden".
empfinden - vielleicht ein schlüsselwort. empfindet man mit dem zollstock, der schieblehre ? oder ist das eine emotion ?
phantasie - der schlüssel zum erlebnis ! was nützt das tollste modell des orient express, inklusive dem schlagen der türen und dem abfahrtspfiff, wenn man im kopf keine bilder dieser epoche hat, nichts von den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen umständen jener zeit im hinterkopf hat. die eisenbahn fuhr nie ihrer selbst willen, es gab immer eine absicht, eine geschichte dazu.
je freier man eine modellbahn gestaltet desto größer ist die freiheit der abenteuer die man mit ihr, auf ihr erleben kann. dazu ist es vollkommen nebensächlich ob am führerhaus 27 nieten unter dem fenster sind oder ob sich da eine glaubwürde anzahl befindet die ich nicht erst unter der lupe erkenne.
was hat es mich früher gestört, daß da über der betriebsnummer 3027 stand anstatt deutsche bundesbahn. heute freue ich mich darüber, denn wenn ich die augen zukneife meine ich manchmal CF Sulkania lesen zu können ...
ganz sicher wird auch die modellbahn im sinne der freiheit und der phantasie eine tolerante sache sein. es gibt trotz aller bemühungen um normung keine allgemeinverbindliche richtlinie wie sie auszusehen hat, auch wenn manch einer versucht absolute maßstäbe anzulegen. jeder hat seine eigenen vorstellungen, einen anderen blick auf die welt und persönliche vorlieben. wer auch bei der modellbahn, jenem refugium in welchem jeder ein könig sein kann, die maßregelungen der großen welt zuläßt ist ein tor.

 

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