Vergleich der DEV Inox-Wagen A8myfi der SNCF von Märklin und Hornby Acho in H0
Das Vorbild

Ab 1946 bemühte sich die SNCF in ihrem, aufgrund der verschiedenen selbstständigen Regionen sehr heterogenen, Fernverkehrs-Wagenpark durch zeitgemäße Konstruktionen mehr Einheitlichkeit zu erreichen. Es enstanden 2 Typen: die DEV AO (Acier oxidable) in Stahlbauart und die DEV INOX (Acier inoxidable) aus nichtrostendem Edelstahl. Diese Wagen wurden ab 1953 in größeren Stückzahlen gebaut und fanden in allen Vorzeigezügen der SNCF Verwendung.
Aus den DEV-Inox 53 wurden die Wagen des Typ Mistral 56 nun mit Klimaanlage und ohne zu öffnende Fenster unter Beibehaltung des Wagenkastens weiterentwickelt. Die Zeichnung zeigt diesen Wagentyp nach seinem Umbau zum TEE Wagen 1965.
Alle Inoxwagen der SNCF erwarben sich rasch internationalen Ruf für ihren Komfort. Die Wagenkästen aus Inox wurden nach dem System Budd hergestellt.
Die H0 Modelle von Märklin und Hornby Acho

Der französische Hersteller Hornby Acho produzierte von 1961 bis 1973 unter der Katalognr 737, später 7370 ein Modell des DEV Inox 53 A8myfi.
Ab 1964 nahm sich Märklin des selben Vorbildes an und produzierte unter der Katalog Nr. 4050 von 1964 bis 1972 ein Modell ohne Inneneinrichtung. Dieses erhielt ab 1973 eine Inneneinrichtung und wurde in dieser Form bis 1986 unter der Katalog-Nr 4076 weiter produziert. Als Anschauungsobjekt möchte ich einen 4076 benutzen, da auch er wie das Hornby Acho Modell eine Inneneinrichtung besitzt.
Der Eindruck der beiden ersten Modellphotos bestätigt sich im direkten Vergleich. Das Vorbild mißt 23,44m über Puffer, entsprechend 26,9 cm in H0. Der Hornby Acho Wagen mißt ca. 26 cm über die Puffer, der Märklin Wagen mißt 23,5 cm über den Wagenkasten (die Puffer sind nur als schwaches Relief angedeutet).
Daher als Vergleich die Stirnseiten der beiden Modelle.
Erwartungsgemäß für Konstruktionen aus den 1960rn sind an beiden Modellen gerade an den doch sehr interessanten Stirnseiten einige Vereinfachungen oder Abstraktionen zu erkennen. Wahrend bei Märklin das asymetrische Schlußlicht sehr deutlich, als durchbrochenes Loch, dargestellt ist, werden Faltbalg, Übergangsblech und Puffer nur als Relief angedeutet. Diese sind beim Hornby Acho Modell als separate Bauteile angesetzt. Ansonsten mögen die Bilder für sich sprechen.
Am Dachprofil erkennt man klar die Unterschiede zum Mistral 56 Wagen auf der Zeichnung. Da die DEV Inox 53 keine Klimatisierung besaßen war das Dach wegen nicht notwendiger Klimaanlage und Kanälen niedrieger. Der Höhenvergleich der beiden Modelle ist etwas verfälscht, da sie nicht auf Gleisen sondern auf ihren Spurkränzen stehen. Diese sind beim Hornby Acho Wagen etwas niedriger, wie überhaupt spätere Modelle Achsen nach ungefährem NEM-Maß besitzen (wie dieser Wagen).

Aber auch der Vergleich auf Gleisen zeigt, daß das Märklin Modell insgesamt höher baut. Dies ist durch den bewegungsraum der Drehgestelle unter dem höher gesetzten Wagenkasten bedingt.
Im direkten Vergleich macht das Märklin Modell, unterstützt durch seine geringere Länge, eine etwas pummelige Figur.
Die beiden folgenden Aufnahmen wurden aus identischen Positionen und mit identischen Skalierung und Korrektur aufgenommen bzw. wiedergegeben und können daher dem unmittelbaren Vergleich dienen. Das Märklin Modell wirkt insgesamt etwas metallischer, ist heller und glänzender, was aber durchaus dem Vorbild entspricht. Bei den mittlerweile nur noch antiquarisch erhältlichen Modellen kommt es jedoch zu gewissen Abweichungen aufgrund des Vorlebens. Der Hornby Acho Wagen befindet sich in einem sehr guten Zustand ist allerdings ohne Originalverpackung gelagert gewesen.
Der Märklin 4076 ist ein definitiv bestens gepflegtes Exemplar das erstmals zu diesen Photos aus der Originalverpackung inklusive Einwickelpapier kam.
Auf der Seitenansicht fällt auf, daß das Märklin Modell fälschlicherweise Übersetzfenster mit silbernen Rahmen besitzt. Dies läßt die ohnehin schon kleineren fenster noch kleiner erscheinen und verfälscht den Eindruck des Vorbildes, welches über lange Zeit ein Vorzeige-Erstklässler der europäischen Bahnen war.
Die französischen Bahnen erstellen ihre Bauartbezeichnung aus der Wagenklasse (A) und der Anzahl der Abteile (8). Der A8myfi verfügt also über 8 Abteile. Das ist bei beiden Modellen auch so wiedergegeben, beim Märklin Modell halt etwas gestaucht.
Wie Eingangs erwähnt besitzen beide modelle eine Inneneinrichtung. Hier Vergleichsbilder von Außen, ohne Not möchte ich die Wagen nicht zerlegen ;-)
Abteilseite
Gangseite

Insgesamt läßt das Hornby Acho Modell etwas mehr Komfort erahnen. Neben der nobleren dunkelroten Farbe der Inneneinrichtung sind auch die nackenpolster der Sitze zu erahnen.

Das Märklinmodell hat die typische einfache, karamellfarbene Inneneinrichtung.

Bedingt durch die zwar hinterlegte aber dennoch leicht erhabene eingefügte Verglasung mit der Gravur der Fenstertrennkannte, läßt der Hornby Acho Wagen mehr Einblick zu. Auch die Gestaltung der Abteiltüren läßt mehr Transpernz zu.

Der Vergleich von oben: Das Hornby Acho Modell besitzt ein deutlich detaillierteres Dach welches im Ganzen etwas dunkler als der restliche Wagenkasten getönt ist. Das einfacher gehaltene Dach des Märklin Modells ist nur am Rand abgetönt.
Von Oben nach Unten. Am Hornby Acho Wagen sind 3 Anbauteile angebracht. An den Kupplungen fehlen die originalen schwarzen Gummis zum federnden Zentrieren der Kupplungen. Diese verhärten und verfallen mit der Zeit. Am Märklin Boden zeigt sich schlichte schwäbische Eleganz.

Schließlich noch zu wesentlichem, den Drehgestellen.
Hornby Acho hat der Einfachheit halber bis 1968 in allen Drehgestellpersonenwagen die selben Drehgestelle aus Guß verbaut. Die Achsen sind in eingeschraubten Blechhaltern stiftgelagert. Diese Drehgestelle entsprechen nicht dem Vorbild.
Ab 1969 verwendete man Kunstoffdrehgestelle mit spitzengelagerten Radsätzen welche dem Vorbild eher entsprechen.
In diesem Detail sammelt Märklin Pluspunkte, da die Kunststoffblenden der in Märklintypischer Art konzipierten Drehgestelle dem Vorbild eher entsprechen.
Welchen Wagen man letztlich den Vorzug gibt, darüber entscheidet die persönliche Vorliebe. Ich persönlich finde das Märklin Modell hat eher einen Spielzeugcharakter wirkt aber in sich stimmig. Eine reinrassige Garnitur geführt von dem türkisfarbenen Klassiker BB 7200 macht sich allemal hervorragend.

Trotz des Alters ihrer Konstruktion machen die Hornby Acho Wagen durchaus noch heute einen vorbildgerechten Eindruck. Natürlich entsprechen die Details nicht mehr dem heutigen Standard, aber der Gesamteindruck der DEV Inox 53 Wagen wird sehr gut wiedergegeben.
Am Rande bemerkt, Wagen mit den korrekteren Drehgestellen sind so gut wie kaum zu haben. In dieser Ausführung gab es auch noch kurze Zeit einen gemischten Gepäck und Erste Klasse Wagen (7453), der aber ebenfalls sehr selten zu bekommen ist.
Zum Schluß noch ein Schmankerl, welches den 4076 bei Märklinsammlern noch beliebter macht: Die Originalverpackung, welche bei dem gezeigten Wagen, wie schon bemerkt, mit dem Feinsten gefüllt ist: Originalpapier (Hintergrund) und den Origonal Abziehbildern der Zuglauftafeln.

Quellen:
Loco Revue, Fiches Documentaires No. 0241
Maurice Mertens, Trans Europ Express

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