No.3

Die badische IVf

Die erste Pacific in Deutschland


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen die Bahngesellschaften beiderseits des Oberrheins in einem scharfen Wettbewerb um den internationalen Verkehr. Dies hatte zur Folge, daß der Reisende eine sehr gute Auswahl an Verbindungen, sowie stets neuestes und komfortales Rollmaterial vorfand. Die badische Staatsbahn hatte in ihrem Streckennetz sehr unterschiedliche Linien. Zum einen die großzügig trassierte Oberrheinstrecke, zum anderen aber auch die äußerst schwierige Schwarzwaldbahn. Sowohl die im Schwarzwald eingesetzte 2'Cn4v Gattung IVe der Bauart De Glehn aus Grafenstaden, wie auch die Maffei'sche 2'B1'n4v Gattung IId im Rheintal, waren an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gestoßen. Die neu zu schaffende Type sollte auf beiden Strecken für Ersatz sorgen. Aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb ging der Entwurf des Chefkonstrukteurs Hammel des Hauses Maffei als Sieger hervor. Es war erstmalig in Europa eine Konstruktion der Bauart 2'C1' mit einem 4-Zylinder-Verbund Heißdampftriebwerk und Treibrädern von 1800 mm Durchmesser. Sie war eine der ersten Lokomotiven Deutschlands mit dem aus Amerika übernommenen durchgehenden Barrenrahmen. Mit ihrer kegeligen Rauchkammertür, dem zweifach geneigten Führerhausseitenwänden und den großen Bahnräumern war sie eine ebenso elegante wie eingenwillige Erscheinung. Als die erste Maschine 1907 bei Maffei in München das Werk verließ, war sie die erste in Europa bestellte Pacific-Lok, die erst später georderte, aber früher gelieferte 4501 der französischen P.O. kann den Titel der ersten Pacific Europas für sich vereinnahmen.

Die ersten drei Loks wurden bei Maffei gebaut, 32 weitere folgten bis 1913 in Lizenz von der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe. Im wesentlichen erfüllte die Lok die Erwartungen, so fuhr sie im Rheintal auf der Strecke Mannheim - Basel mit 52 Wagenachsen und 460 t Gewicht Geschwindigkeiten von 90 - 100 km/h und erreichte vereinzelt sogar eine Geschwindigkeit von 110 km/h. Mit 144 t erreichte sie auf der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 55 Km/h, mit angehängten 209 t waren es noch 45 km/h.

Die Wahl des Treibraddurchmessers war auf Dauer jedoch ein Kompromiß. Auf der schnellen Strecke im Rheintal war er zu klein, auf den Steigungen des Schwarzwaldes machte der Kessel nicht übermäßig viel Dampf. So wurde sie im Flachland von der 1918 erschienenen Gattung IVh ersetzt. Die von der Deutschen Reichsbahn nunmehr als BR 18.2 übernommenen 22 Maschinen wurden im Laufe der 20er Jahre von der nun auch im Schwarzwald eingesetzten BR 39, pr. P10, ersetzt. Damit war der Zenith der ersten deutschen Pacific überschritten, bereits vor 1930 waren alle ausgeschieden. Schade um die formschönen Maschinen, aber sie waren die direkten Vorläufer und Wegbereiter zweier weiterer später viel berühmteren Baureihen: der bayerischen S3/6 und der badischen IVh (BR 18.4-5 und 18.3).

(sulka.de) 03-01

Literaturquellen:
E.Born - 2C1, Franckh, 1965
W. Messerschmidt, Lok Magazin 31, 1968
H.J. Obermayer - Taschenbuch Deutsche Dampflokomotiven, Franckh, 1970
 
 

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