No.1

Die S16 Pacific der AL

(Chémins de Fer d'Alsace-Lorraine)


Die beiden 1933 von SACM Grafenstaden gebauten 2 Zylinder Pacifics S16 1401 und 1402 zeigen deutlich die Einflüsse zweier nationaler Lokomotivbauprinzipien. In der Bauart äußert sich die Anlehnung an die Philosophie Robert Garbes und somit auch der DRG in der Ägide Wagner, welche die Überlegenheit der Heißdampfmaschine mit einfacher Dampfdehnung propagierte. Damit stand diese Konstruktion der AL nahezu einsam in Frankreich gegen die vorherrschenden 4 Zylinderbauarten mit doppelter Dampfdehnung, wie sie gerade in jenen jahren durch das Genie des André Chapelon zu absoluten Hochleistungsmaschinen transformiert wurden. Aber auch von diesen Konstruktionen wurden, typisch französische, Komponenten übernommen. Wie die doppelte Kylchap Rauchabzuganlage, der Schlot, neben dem die zylinderförmigen Vormärmerbehälter des ACFI-Vorwärmers zu sehen sind und die Tenderbauart. Diese Maschinen waren äußerst modern konzipiert und es gab auch verschieden Einflüsse aus den USA zu finden, wie die automatische Stoker-Feuerung und, bei der 1402, ein Booster auf der Schleppachse. welcher die Zugkraft der Lok bei schweren Anfahrten spürbar erhöhen konnte. Leider kamen diese Maschinen zu spät, denn 1938 gingen die AL in der neugründeten SNCF auf und damit endete auch die Eigenständigkeit in der Lokomotivbeschaffung. Schade eigentlich, denn neben so manch anderem Reiz den die Lage Elsaß-Lothringens "zwischen den Kulturen" auch heute noch hervorbringt, hätte eine weitere Verbreitung dieser Lokomotiven auch das "Leben der Schiene" noch weiter bereichert. Die beiden nahezu unbekannten und eigentümlich anmutenden Maschinen wurden als SNCF-Reihe 231 D nach dem 2. Weltkrieg aus dem Verkehr gezogen und verschrottet.

Ein Modell der S16 gibt es bisher in keiner Baugröße. die AL waren ja als Reichseisenbahnen Elsaß Lothringen von 1871-1918 eine deutsche Eisenbahnverwaltung die große Nähe zur KPEV hatte. Daher gab es bei der AL einiges an preußischem Material. Die Formsignale entsprachen bis auf die inverse Farbgebung der Flügel ebenso den deutschen Maßgaben wie der Rechtsverkehr. Von den AL Lokomotiven sind unter Modellbahnern vor allem die Modelle der SNCF 232TC (pr. T18), 230F (pr. P8) und 040D (pr. G8.1) bekannt. Viele dieser Loks wurden vor 1918 direkt an die AL geliefert und auch später von Grafenstaden noch gebaut. Es waren also nicht alle SNCF-Loks nach deutschen Originalen sogenannte "Armistice"-Loks die nach dem 1. Weltkrieg an die Entende abgegeben werden mußten. Aber hat jemand diese Loks schon einmal als Modell in der Ausführung der AL gesehen? Wie gesagt allenfalls als SNCF-loks. Nur z.B. von Märklin, Piko, Sachsenmodelle gibt oder gab es einzelne Güterwagen aus der Länderbahnzeit in der Ausführung der Reichseisenbahnen Elsaß-Lothringen. Schade eigentlich, denn das Thema AL ist für den Modellbahner ebenso übersichtlich wie abwechslungsreich, egal in welcher Epoche: Reinrassige Hauptstrecken durch die, von den Modellbahnern so geliebten, engen Tälern mit vielen Tunneln und Kurven, wo heute die Corailzüge mit BB15000 in fast furchterregendem Tempo durchrauschen. Reizvolle, verträumte Nebenstrecken mit schmalspurigen Anschlußbahnen. Es gibt eigentlich viele Modellloks, die auf die AL passen würden und eigentlich nur eine neue Beschriftung bräuchten. Ich fürchte solange es die aber nicht geben wird, wird auch die seltene S16 ein Traum bleiben.

Übrigens gab es früher mehr als Heute einen starken Wettbewerb zwischen der EL/AL und der Badischen Staatsbahn/DRG im Fernverkehr zwischen Holland (Großbritannien) und der Schweiz. Hier eines der ganz raren Photos aus dem Betriebseinsatz der S16, unterwegs mit dem CIWL-Luxuszug "Edelweiss", Basel - Amsterdam, auf der linksrheinischen AL-Strecke, während auf der rechten Rheinstrecke der Rheingold um die Gunst der Reisenden buhlte.

(sulka.de) 03-01

Literaturquellen:
J-M Dupuy, J. Buchmann, B. Mayer, L'Encyclopédie des Chemins de Fer d'Alsace-Lorraine, Loco Revue, 1998
 
 

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